Ausblick 2018 – Die Luft an den Kapitalmärkten wird dünner!

Das Börsenjahr 2017 liegt nun schon fast hinter uns. Für die meisten Anleger war 2017 ein sehr gutes und erfolgreiches Jahr. Doch wie geht es an den Märkten weiter? Setzt sich die bisherige Entwicklung fort oder müssen wir im nächsten Jahr mit Rückschlägen rechnen? Wie können wir als Anleger reagieren?

Im Rückblick war 2017 ein sehr guter Börsenjahrgang. Der deutsche Leitindex DAX klettert seit Jahres-beginn um stolze 16%, der europäische EuroStoxx 50 kommt immerhin auf einen Zuwachs von knapp 10%. Weitaus stärker steigen der amerikanische Technologie-Index Nasdaq mit knapp 30% und der Hang Seng-Index an der Börse in Hongkong mit über 32%. Kurz gesagt: Die Technologie-Aktien und die Aktien in China und den Schwellenländern waren die Börsenstars in 2017. Die Gründe liegen vor allem in einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld mit steigenden Unternehmensgewinnen sowie den weiterhin äußerst niedrigen Zinsen innerhalb der Eurozone. Deshalb war es bislang richtig, auf Aktien als wesentlichen dynamischen Wachstumsmotor in der Vermögensverwaltung zu setzen, insbesondere in Ermangelung echter Alternativen.

„Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf!"

Die Konjunkturprognosen fallen in diesen Tagen äußerst positiv aus. Nach Ansicht der Deutschen Bundesbank wird sich der Aufschwung auch im nächsten Jahr weiter forstsetzen. Für 2017 dürfte die deutsche Wirtschaft um 2,6% wachsen und in 2018 um weitere 2,5% zulegen. Es ist das stärkste Wachstum seit fast 7 Jahren. Getragen wird der breite Aufschwung von einer starken Nachfrage aus dem Ausland sowie einer stabilen Konsumnachfrage im Inland und einer expandierenden Bauwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit ist historisch niedrig. In Teilbereichen herrscht bereits ein ausgeprägter Fachkräftemangel. Die Kapazitäten in der Wirtschaft sind zum Teil bereits über das normale Maß hin ausgereizt. Es besteht sogar die Gefahr einer Überhitzung. In Boom-Phasen wie dieser ist es wahrscheinlich, dass die Inflationsrate wieder anzieht, da die Löhne überdurchschnittlich stark steigen. Außerdem ist die Nachfrage insgesamt hoch und die Preise werden erfahrungsgemäß deutlich angehoben. Die Notenbank reagiert klassischerweise mit steigenden Zinsen, was dieses Mal definitiv nicht der Fall sein dürfte. EZB-Chef Mario Draghi hält an seiner Politik des billigen Geldes weiterhin fest.

„Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste"

Deshalb verwundert es nicht, dass die meisten Experten in Bezug auf die Kapitalmärkte überwiegend optimistisch ins neue Jahr blicken. Während das realwirtschaftliche Umfeld solide wächst, haben die meisten Aktien diese positive Erwartung bereits in diesem Jahr vorweggenommen. Die Bewertung vieler Indices ist inzwischen zumindest ambitioniert. Insbesondere die US-Aktien sind im historischen Vergleich geradezu teuer geworden, allen voran die Technologie-Werte wie Apple, Amazon, die Google-Mutter Alphabet und Facebook, bei denen die Anlegerphantasie kaum Grenzen kennt.

Die Marktstrategen von 18 Banken erwarten für den DAX zum Jahresende 2018 ein Kursziel von 14.000 Punkten, was ausgehend vom aktuellen Marktniveau von 13.300 Punkten einem Zuwachs von 5,3% entspricht. Berücksichtigt man die Dividenden von rund 2,5% bleiben nur noch rund 2,8% für Kurssteigerungen übrig. Dem gegenüber steht das Risiko einer Kurskorrektur, nach welcher die Aktien wieder deutlich günstiger werden würden.

Die Wirtschaft und auch die Börsen verlaufen normalerweise in Zyklen. Es ist von außen betrachtet nicht schwer zu erkennen, dass wir uns momentan in einer Boom-Phase befinden. Psychologisch ist es jedoch nicht so einfach, „nach vorn" zu denken. Es ist wesentlich angenehmer, von einer Fortsetzung der bisherigen Entwicklung auszugehen und für die Zukunft fortzuschreiben. Der letzte Wendepunkt war im März 2009, als die Wirtschaft gerade aus der Rezession kam. Die Aktienkurse zogen bereits an, aber die wenigsten Anleger waren dabei, da sich das fundamentale Umfeld noch sehr negativ anfühlte. Als Vermögensverwalter war ich damals zwar in Aktien investiert, aber im Rückblick noch zu vorsichtig. Heute ist es genau umgekehrt. Die meisten Investoren sind optimistisch und positionieren sich entsprechend. Die Bewertungen wie z. B. bei der Krypto-Währung Bitcoin oder im Bereich der Technologie-Aktien sprechen bereits eine deutliche Sprache. Viele Anleger verhalten sich momentan wie die Lemminge, da sie sich in guter Gesellschaft fühlen, wenn sie sich dem anschließen, was die meisten anderen Anleger auch machen.

Der CREDO Kompass

Gemessen an den klassischen Volatilitätskennzahlen befindet sich der Aktienmarkt geradezu in einem Modus der Sorglosigkeit. Derzeit rechnet kaum jemand mit einem Crash, da die Wirtschaft geradezu boomt. Dazu erhalten die Märkte ausreichend Unterstützung von der Zinsseite und durch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Die fehlende Attraktivität der Zinsanlagen führt unweigerlich wieder zu den Aktien. Eine Dividendenrendite von etwa 2,5% ist zweifellos attraktiver als eine Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von 0,30% pro Jahr. Doch die Luft für die Anleger wird dünner - selbst bei diesem niedrigen Zinsniveau. Eine Korrektur nach dem steilen Anstieg im vergangenen Quartal ist sehr wohl jederzeit möglich. Einen konkreten Anlass dazu gibt es derzeit nicht. So etwas kann quasi „aus heiterem Himmel kommen" wie zuletzt in 2015, als die Sorgen um die Wirtschaft in China zu einem kräftigen Kursrutsch führten. Für die Anlagestrategie der CREDO Vermögensmanagement GmbH bedeutet dies, dass wir die Portfolios etwas defensiver als bisher positionieren werden. Wir bleiben zwar weiterhin in Aktien investiert, werden aber die Quoten vorübergehend im 1. Quartal 2018 reduzieren. Deshalb haben wir die Renditeerwartung für 2018 zunächst deutlich niedriger als in 2017 angesetzt. Wir gehen nicht von einer reibungslosen Fortsetzung der Ergebnisse von 2017 aus. Wenn die Zinsen nichts mehr abwerfen und die Aktienmärkte ebenfalls weniger Ertrag erwarten lassen, suchen wir gezielt nach Alternativen. Weiterhin günstig und attraktiv bewertet sind Anlagen in den Schwellenländern und den Frontiers-Märkten, den Ländern, die noch eine Klasse darunter liegen. Hier bieten sich weiterhin gute Chancen. Ergänzt werden die Aktien vom Gold oder Goldminen-Aktien, die von der politischen Unsicherheit profitieren und den Depots Stabilität in unsicheren Zeiten verleihen. Außerdem hilft es, Liquidität bereit zu halten, um Chancen nutzen zu können, wenn die Kurse zurückkommen. Zum Abschluss wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen, dass Weihnachten für Sie ein Fest der Besinnung und der Freude wird. Ich möchte mich bei Ihnen im Namen unseres ganzen CREDO-Teams für Ihr Vertrauen bedanken und wünsche Ihnen ein frohes Fest und ein gesegnetes neues Jahr!

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