Kann es 2018 an der Börse überhaupt noch besser werden?

Die Stimmung beim Weltwirtschaftsforum in Davos ist so gut wie seit Ausbruch der Finanzkrise vor 10 Jahren nicht mehr. Angesichts der dynamischen Kursentwicklung an den internationalen Börsen und den optimistischen Konjunkturvorhersagen von Analysten hat die Zuversicht vieler Anleger in den letzten Monaten deutlich zugenommen. Haben wir den Höhepunkt dieser Entwicklung bereits gesehen oder steigen die Kurse weiter?

Die Weltwirtschaft brummt – daran gibt es keinen Zweifel. Das globale Wirtschaftswachstum ist so hoch wie schon lange nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet jetzt mit einem Zuwachs von 3,9 Prozent in diesem und im nächsten Jahr. Einen wichtigsten Grund für das Wachstum sieht der IWF in der US-Steuerreform. Auch der unerwartet starke Aufschwung in Europa und Asien hat die Wirtschaft beflügelt. Die Eurozone soll nach einem Plus von 2,4 Prozent in 2017 auch in den nächsten zwei Jahren solide zulegen. Deutschland liegt mit einem erwarteten Plus von 2,3 Prozent etwa 0,5 Punkte besser als der IWF das noch im Oktober prophezeit hatte. Auch die Wachstumsperspektiven für China sieht der Fonds optimistischer. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt dürfte in diesem Jahr um 6,6 Prozent wachsen und 2019 um 6,4 Prozent.

Die Wirtschaft boomt – und viele Aktien ebenfalls!

Ein starkes Wirtschaftswachstum, wie wir es momentan erleben, spiegelt sich an den internationalen Börsen wider. Die Aktienkurse steigen. Insbesondere die Technologietitel, die in den Indices besonders stark vertreten sind, dominieren die Märkte. Die Giganten Amazon, Apple, Google, Facebook und Microsoft kommen inzwischen auf einen Börsenwert von gut 3.000 Milliarden US-Dollar – und sind damit doppelt so viel wert wie alle 30 Aktien im deutschen Leitindex DAX. Alle fünf Titel konnten 2017 um mehr als 20 Prozent zulegen, Amazon lag sogar um 40 Prozent im Plus. Allen Titeln gemeinsam sind die enorm hohe Bewertung und die starke Zukunftsfantasie im Hinblick auf die Digitalisierung. Dies gilt in ganz besonderem Maße für Amazon, denen besonders viel zugetraut wird und die ein exorbitantes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 175 aufweisen. Bei einem aktuellen Kurs von 1.402 US-Dollar müssen Anleger den erwarteten Gewinn für 2018 von 8 US-Dollar pro Aktie 175 Mal bezahlen. Zum Vergleich: Eine deutsche Metro-Aktie hat eine Dividendenrendite von knapp 4% (Amazon zahlt keine Dividende) und wird lediglich mit dem 13-fachen seines Gewinnes bezahlt. Allerdings weist Metro auch nicht so ein dynamisches Wachstum auf wie Amazon.

Der Aktienkurs des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé ist im vergangenen Jahr lediglich um etwa 2 Prozent gestiegen und der Kurs des ehemals größten Unternehmens der Welt General Electric ist sogar um 45 Prozent eingebrochen. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, zeigt dies vor allem eines: „Die Flut hebt nicht alle Boote gleichermaßen!" Es kommt auf die Gewinndynamik bei den Unternehmensgewinnen an – und die wird durchaus sehr unterschiedlich ausfallen. Um langfristig erfolgreich Geld anzulegen, kommt es neben einer geeigneten Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen sehr wohl auf eine geeignete Titelselektion an.

Die Inflationsgefahren nehmen zu!

In seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos lobte US-Präsident Donald Trump seine Steuerreform und feiert die Erfolge seiner Wirtschaftspolitik. Das starke Wirtschaftswachstum schreibt er sich selbst zu. Professor Kenneth Rogoff (Harvard University) sieht im Interview mit ntv in Davos in dem US-Steuerprogramm und der Deregulierung vom Trump einen „Kredit auf die Zukunft" – sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch. Das dynamische Wachstum dürfte die Inflation anheizen, da in den USA die Arbeitslosigkeit niedrig ist und die Kapazitäten ausgelastet sind. Die Rohstoffpreise steigen auch wieder, was ebenfalls für ein steigendes Preisniveau spricht. Die entscheidende Frage ist, ob und wie stark die Zinsen vor diesem Hintergrund anziehen werden. In früheren Konjunkturzyklen war klar, dass die Zinsen angehoben werden müssen, um die Inflation wirksam zu bekämpfen. Das dürfte in diesem Ausmaß aktuell kaum der Fall sein. In Europa könnten einige südeuropäische Staaten ihren Kapitaldienst nicht mehr erbringen, sollten die Zinsen massiv steigen. Auch in den USA steht zu befürchten, dass durch die Steuerreformen die Staatsverschuldung weiter zunimmt. Da Anleger nicht mit einen angemessenen Inflationsausgleich rechnen dürfen, sind Anleihen als Anlageklasse extrem uninteressant. Sie tragen vor allem zur Stabilisierung des Depots bei.

Der CREDO Kompass

An Aktien führt in diesem Umfeld kein Weg vorbei. Mit klassischen Zinsanlagen dürfte sich vermutlich in der nächsten Zeit kein Geld verdienen lassen, insbesondere wenn die Zinsen moderat steigen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Gemessen an den klassischen Volatilitätskennzahlen befindet sich der Aktienmarkt geradezu in einem Modus der Sorglosigkeit. Derzeit rechnet kaum jemand mit einem Crash, da die Wirtschaft geradezu boomt. Dazu erhalten die Märkte ausreichend Unterstützung von der Zinsseite und durch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Die fehlende Attraktivität der Zinsanlagen führt unweigerlich wieder zu den Aktien. Eine Dividendenrendite von etwa 2,5% ist zweifellos attraktiver als eine Rendite 10-jähriger Bundesanleihen von 0,60% pro Jahr. Doch die Luft für die Anleger wird dünner – selbst bei diesem niedrigen Zinsniveau. Eine Korrektur nach dem steilen Anstieg im vergangenen Quartal ist sehr wohl jederzeit möglich. Einen konkreten Anlass dazu gibt es derzeit nicht. So etwas kann quasi „aus heiterem Himmel kommen" wie zuletzt in 2015, als die Sorgen um die Wirtschaft in China zu einem kräftigen Kursrutsch führten. Für die Anlagestrategie der CREDO Vermögensmanagement GmbH bedeutet dies, dass wir die Portfolios etwas defensiver als bisher positionieren werden. Wir bleiben zwar weiterhin in Aktien investiert, werden aber die Quoten vorübergehend im 1. Quartal 2018 reduzieren. Deshalb haben wir die Renditeerwartung für 2018 zunächst deutlich niedriger als in 2017 angesetzt. Wir gehen nicht von einer reibungslosen Fortsetzung der Ergebnisse von 2017 aus. Wenn die Zinsen nichts mehr abwerfen und die Aktienmärkte ebenfalls weniger Ertrag erwarten lassen, suchen wir gezielt nach Alternativen. Weiterhin günstig und attraktiv bewertet sind Anlagen in den Schwellenländern und den Frontiers-Märkten, den Ländern, die noch eine Klasse darunter liegen. Hier bieten sich weiterhin gute Chancen. Ergänzt werden die Aktien vom Gold oder Goldminen-Aktien, die von der politischen Unsicherheit profitieren und den Depots Stabilität in unsicheren Zeiten verleihen. Liquidität halten wir bereit, um Chancen nutzen zu können, wenn die Kurse zurückkommen. Wir dürfen nicht die Angst haben, den Kursanstieg zu verpassen – dazu ist der Zyklus bereits weit fortgeschritten. Sollte es eine Korrektur geben – bleiben Sie bitte entspannt. Wir sollten Rückschläge nutzen, um günstige Gelegenheiten wahrzunehmen. Wir bewahren einen kühlen Kopf – egal ob die Kurse steigen oder fallen. In diesem Sinne wünsche ich uns allen weiterhin viel Erfolg bei unseren Anlageentscheidungen!

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