Mehr Dynamik mit Dividenden!

Erfolgreiche Investoren gehen bei der Zusammenstellung ihres Depots systematisch vor. Dazu braucht es ein klares Konzept, einen langen Anlagehorizont,  ein hohes Maß an Beharrlichkeit und die Konsequenz in der Umsetzung. Die einzelnen Aktien werden nach klaren Regeln ausgesucht. Daher eignet sich die Dividendenrendite gut für die Entwicklung eines solchen regelbasierten Anlagekonzepts. Die bekannteste Strategie (Dogs of the Dow) geht auf den Altmeister Benjamin Graham zurück und stammt aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Graham rät dazu, die zehn Aktien aus dem Dow Jones-Index zu kaufen, die die höchsten Dividendenrenditen zu dieser Zeit aufweisen und dann ein Jahr zu halten. Danach werden die Titel überprüft und bei Bedarf ausgetauscht.

Modifiziert wurde das Konzept 1991 von Michael B. O’Higgins. Er griff Grahams Dividendenstrategie auf und wählte aus den zehn Aktien des Dow Jones mit höchster Dividendenrendite die fünf aus, die den geringsten nominalen Kurs aufwiesen. Diese abgewandelte Dividendenstrategie wird als Dividend-Low-5-Strategie bezeichnet. Würde man dieses Modell auf den DAX anwenden, befänden sich seit dem 2. Januar 2019 E.ON, Deutsche Telekom, Deutsche Post, Covestro und Daimler im Depot – eine Auswahl, die in dieser Zusammenstellung vermutlich nur sehr wenige Investoren treffen würden. Das macht jedoch deutlich, wie wichtig es ist, sich bei derartigen Konzepten an die Regeln zu halten und langfristig durchzuhalten.

Heutzutage brauchen Anleger diese Strategien nicht mehr mühsam selbst im Depot abbilden. Sie können bequem über Fonds und ETFs in zahlreiche abgeleitete Dividendenstrategien investieren. Dazu zählt auch der DivDAX,  der die 15 im DAX notierten Unternehmen enthält, die die höchste Dividendenrendite aufweisen. Dieses Konzept ist vergleichbar mit der ursprünglichen Strategie von Benjamin Graham.

Vor- und Nachteile von Dividendenstrategien

Der größte Vorteil einer Dividendenstrategie ist die systematische Vorgehensweise, die die Emotionen ausschaltet. Durch die konsequente Umsetzung vermeiden Anleger typische Fehler wie die der Selbstüberschätzung oder den Herdentrieb. Für viele Investoren ist es besser, eine einfache, wenn auch nicht perfekte Strategie zu verfolgen als gar keine Strategie zu haben. Es ist der Kampf mit der eigenen Psyche, die zwischen Angst und Gier pendelt. Ohne den Wunsch, mehr aus seinem Geld zu machen, würden Anleger nicht in Aktien investieren. Die Angst vor Verlusten kann sie jedoch lähmen und blockieren und zu krassen Fehlentscheidungen führen.

Einer der großen Nachteile der beiden klassischen Strategien ist die starke Konzentration der Portfolios auf wenige Titel. Bestimmte Branchen werden automatisch übergewichtet. Dazu gehören Werte aus dem Konsumbereich wie Nestlé, Procter & Gamble und Coca Cola. Die Pharmawerte wie Novartis, Pfizer und Merck bilden neben den Energie- und Versorgeraktien die andere große Gruppe der Dividendentitel. Alle diese Titel zählen zu den defensiven Werten im Gegensatz zu den zyklischen Branchen, die ihre Vorteile in den Aufwärtsphasen ausspielen können.   

Diese Erkenntnis lässt sich aktiv über einen ganzen Konjunkturzyklus hinweg ausnutzen. In der Spätphase eines langjährigen Aufschwungs kann eine Umschichtung in defensive Dividendentitel sinnvoll sein. Wenn es für den Ausstieg aus dem Aktienmarkt zu früh ist und zyklische Aktien im Fall eines Abschwungs zu gefährlich sind, bieten die wenig konjunkturabhängigen Werte einen gewissen Puffer gegen starke Kursrückgänge. Allerdings weisen die defensiven Klassiker derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 20 und einer Dividendenrendite von ca. 3 % im Durchschnitt eine hohe Bewertung auf. Die Stabilität der Ausschüttungen und der Gewinne sowie die hohe Qualität der Unternehmen sind nicht umsonst zu bekommen. Die Sicherheit hat ihren Preis.

Die dynamische Dividenden-Wachstumsstrategie

Die Gesamtrendite einer Aktienanlage besteht aus der Dividende und den Kursgewinnen. Da die Unternehmen in der Regel nicht ihren gesamten Gewinn an die Anleger ausschütten, bleibt ein Teil im Unternehmen und macht dieses umso wertvoller, je mehr davon langfristig in Zukunftsprojekte investiert wird, um die Basis für künftige Gewinne zu legen. Daher sollten Investoren zusätzlich auf das Gewinnwachstum und die künftige Entwicklung der Aktien achten. Das höchste Wachstum weisen in der Regel Technologiewerte und Unternehmen in den Schwellenländern auf. Besonders in Asien und in Osteuropa finden sich viele spannende Unternehmen, die in eine Dividendenstrategie passen.

Dazu zählt das hierzulande nahezu unbekannte chinesische Versicherungsunternehmen Ping An Insurance. Mittlerweile steht es auf Platz 10 der weltgrößten Unternehmen. Mit einem Umsatz von 141,6 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 13,9 Milliarden US-Dollar ist es derzeit der größte Versicherungskonzern der Welt. Inzwischen ist Ping An mit einem Anteil von 7 % der größte Aktionär der britischen Großbank HSBC. Auch wenn die Dividendenrendite derzeit nur 2,5 % beträgt, liefert das Gewinnwachstum mit mehr als 20 % ein erhebliches Steigerungspotenzial für eine defensive Branche wie dem Versicherungsgeschäft. Wenn wir den MSCI Emerging Markets High Dividend Index heranziehen und die größten darin enthaltenen Werte betrachten, finden sich eine Reihe russischer Energie-aktien wie Gazprom, chinesische Finanzwerte sowie Taiwan Semiconductor und der südkoreanische Elektronikriese Samsung. Mit diesen Titeln lässt sich ebenfalls eine spannende Dividendenstrategie aufbauen, die zudem ein erhebliches Wachstumspotenzial aufweist. Die Umsetzung einer dynamischen Dividendenstrategie unter Berücksichtigung der Werte in den Schwellenländern sowie ein regelbasiertes Vorgehen in der Vermögensverwaltung kann in der derzeitigen Niedrigzinsphase einen erheblichen Mehrwert bringen. Wir kombinieren bewährte Erkenntnisse und wenden diese auf unsere heutige komplexe Welt an. Um erfolgreich zu sein brauchen Investoren damals wie heute einen langen Atem und ausreichend Wachstum: „Heute sitzt jemand im Schatten, weil ein anderer vor langer Zeit einen Baum gepflanzt hat.“ (Warren Buffett)

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